Was versteht man unter Resilienz?

Resiliente Personen bewältigen Krisen und Belastungen besser und können auf persönlich oder sozial vermittelte Ressourcen zurückgreifen (Gunkel, Böhm & Tannheimer, 2014a, S. 258). Der Begriff Resilienz stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „zurückspringen“ oder „abprallen“. Er stammt ursprünglich aus der Physik und bedeutet dort: „in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren“ (Kormann, 2009, S. 188).

Ausgangspunkt der Resilienz Forschung war die Arbeit von Emmy Werner, die seit 1955, über 32 Jahre lang Kinder und Jugendliche der Insel Kauai forschend begleitete. Sie stellte sich die zentrale Forschungsfrage: „Welche Faktoren führen trotz schwieriger Lebensverhältnisse zu einer guten Entwicklung dieser Jugendlichen? (Gunkel, Böhm & Tannheimer, 2014b, S. 258)

Was ist ein resilienter Mensch?

In der gesundheitswissenschaftlichen Literatur lässt sich keine einheitliche Definition bzw. Erklärung des Begriffes Resilienz finden (Fichte, 2017, S. 10). Wustmann versteht darunter die Fähigkeit einer Person, „erfolgreich mit belastenden Lebensumständen und negativen Stressfolgen“ umzugehen (Wustmann, 2018, S. 18). Erweitert können unter Resilienz „spezifische Handlungs- und Orientierungsmuster der Krisenbewältigung einerseits und ihre Entwicklung in immer neuen Erfahrungen der Bewältigung von Krisen andererseits“ verstanden werden (Hildenbrand, 2016, S. 205). Unter dem Konstrukt Resilienz ist ein „dynamischer oder kompensatorischer Prozess positiver Anpassung bei ungünstigen Entwicklungsbedingungen und dem Auftreten von Belastungsfaktoren“ zu verstehen. Resilienz ist somit variabel und tritt situationsspezifisch auf (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2015, S. 15).

Wie lässt sich Resilienz erklären? – Resilienzkonzepte und -modelle

Auf der Ebene der Person werden zwei Arten von Resilienzmodellen beschrieben. Zum einen Resilienzmodelle, die durch verschiedene Variablen und Faktoren gekennzeichnet sind. Zum anderen Modelle, in denen Resilienz als Lern- und Entwicklungsprozess dargestellt wird.

Welche Resilienzfaktoren gibt es?

Für Fichte ist individuelle Resilienz durch Faktoren, insbesondere Kompetenzen und Bewältigungsressourcen gekennzeichnet (Fichte, 2017, S. 9). Die folgende Abbildung zeigt drei Resilienzmodelle nebeneinander (Darstellung von Fichte, 2017, S. 9, in Anlehnung an (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2014, S. 29), (Reivich & Shatté, 2002); (Bengel & Lyssenko, 2012, S. 45).

Welche Resilienzfaktoren spielen für das betriebliche Gesundheitsmanagement eine wichtige Rolle?

Auch Gunkel (Gunkel et al., 2014a, S. 259) stellt fest, dass in der Literatur verschiedene Resilienzfaktoren genannt werden. Für den Kontext BGM wählt Gunkel folgende vier „zentrale Resilienzfaktoren“ aus: Soziale Unterstützung, Selbstwirksamkeit, Kohärenzgefühl, Aktives Coping.

Er wählt diese vier Faktoren für das BGM nach den folgenden drei Kriterien:

  1. Welche Resilienzfaktoren sind wissenschaftlich erforscht und können im Erwachsenenalter durch gezielte Aktionen gefördert werden?
  2. Welche Faktoren sind in Firmen oder Organisationen förderbar?
  3. Gibt es eine klare Strukturierung?
Ist Resilienz erlernbar?

Die Frage, ob Resilienzfaktoren im Erwachsenenalter durch gezielte Interventionen gefördert werden können wird unterschiedlich gesehen. Die Beeinflussbarkeit ist jedoch für das BGM von großer Wichtigkeit.

Wellensiek geht davon aus, dass Resilienz kein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal ist, sondern eine "Fähigkeit, die im Rahmen der Mensch Umwelt Interaktion erworben wird." (Wellensiek, 2017, S. 19). Resilienz wird im Laufe des Lebens gelernt und geändert. Es sind Muster der Krisenbewältigung einerseits, und ihre Weiterentwicklung andererseits (Degenkolb-Weyers, 2016, S. 3–4). Auch Fichte stellt Resilienz als Entwicklungs- und Lernprozess dar (Fichte, 2017, S. 6). Demgegenüber nennt er (Fichte, 2017, S. 7) aber auch eine Reihe von Autoren, die Resilienz als Persönlichkeitseigenschaft oder auch als relativ stabiles Charaktermerkmal beschreiben.

Soucek geht in seinem Resilienzverständnis davon aus, dass neben personal­stabilen auch situativ veränderliche Bestandteile enthalten sind (Luthans, Vogelsang & Lester, 2006, 27–28) und darüber hinaus sind seiner Meinung nach, Coping­Prozesse, also Bewältigungsprozesse von Herausforderungen, ein zentraler Bestandteil von Resilienz. Demgemäß ist Resilienz ein integratives Konstrukt, aus überdauernden personalen Ressourcen und veränderlichen situativen Coping­Strategien (Leipold & Greve, 2009, S. 41). (Soucek, R., Pauls, N., Ziegler, M., & Schlett, C., 2015, S. 14)

Als im beruflichen Kontext besonders relevante personenbezogene Ressourcen werden im Zusammenhang mit Resilienz: Selbstwirksamkeit, Optimismus und Hoffnung, genannt.(Soucek, R., Pauls, N., Ziegler, M., & Schlett, C., 2015, S. 14) Darüber hinaus wird Achtsamkeit als eine wichtige Ressource des psychischen Befindens am Arbeitsplatz (Hülsheger, Alberts, Feinholdt & Lang, 2013, S. 310) angeführt, die positive Auswirkungen auf Resilienz hat und Burnout­Erleben vermindert. Dafür gibt es auch empirische Evidenz (Soucek, R., Pauls, N., Ziegler, M., & Schlett, C., 2015, S. 14)

Wie zeigt sich Resilienz?

Soucek geht davon aus, dass Resilienz am Arbeitsplatz über das Verständnis einer personalen Ressource hinausgeht. Bei resilientem Verhalten sollte „die tatsächliche Bewältigung belastender Situationen betrachtet werden.“ Personale Ressourcen von Resilienz fördern resilientes Verhalten und tragen dadurch zur Bewältigung von Herausforderungen und zur psychischen Gesundheit bei. Eventuell gibt es dadurch auch Rückkopplungseffekte, beispielsweise könnte eine erfolgreiche Bewältigung, Erfolgserlebnisse schaffen und die wiederum könnten sich auf die personale Ressource der Selbstwirksamkeit positiv auswirken. (Soucek, R., Pauls, N., Ziegler, M., & Schlett, C., 2015, S. 19)

Resilienzkonzepte und Resilienzmodelle

Die folgende Abbildung verdeutlicht das Resilienzkonzept von Soucek. Er nennt die folgenden vier Facetten resilienten Verhaltens: „(1) Erfolgreicher Umgang mit emotionalen Reaktionen auf arbeitsbezogene Probleme (kurz: emotionale Bewältigung), (2) vorausschauende Planung und Abwägung verschiedener Lösungsmöglichkeiten bei arbeitsbezogenen Problemen (umfassende Planung), (3) das Auffassen von arbeitsbezogenen Problemen als Möglichkeit zum Einbringen und zur Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten (positive Umdeutung), und (4) die ausgeprägte Fähigkeit, Ablenkungen zu widerstehen und bei aufkommenden Problemen ausdauernd und konzentriert an Lösungen zu arbeiten (fokussierte Umsetzung).“ (Soucek, R., Pauls, N., Ziegler, M., & Schlett, C., 2015, S. 16)

Daraus geht hervor, wie resilientes Verhalten, Einfluss auf die psychische Gesundheit hat. (Soucek, R., Pauls, N., Ziegler, M., & Schlett, C., 2015, S. 18)

Die Abbildung zeigt, dass personale Ressourcen auf konkretes resilientes Verhalten wirken sowie die entsprechenden Rückkopplungseffekte. In diesem Modell ist auch Achtsamkeit als Ressource vorhanden. Für die vier Facetten resilienten Verhaltens, nimmt er eine positive Wirkung auf die psychische Gesundheit an. Dies konnte in einer ersten Studie bereits gezeigt werden. (Soucek et al., 2015, S. 18-19)

Eine weitere Darstellung von Resilienz als detailliertem Lern- und Entwicklungsprozess zeigt Abbildung 3. Hieraus geht hervor, dass die individuelle Deutung und Bewertung von Grundannahmen und Erfahrungen für den Verarbeitungsprozess von größter Bedeutung für Resilienz ist. Darüber hinaus entscheidet das Zusammenwirken aller internen, sowie externen Faktoren und Kompetenzen letztendlich über die Verarbeitung und Bewältigung einer Anforderung bzw. Belastung. Dieses Modell zeigt, dass Resilienz kontextbezogen ist. Hier gibt es interne, individuelle, psychologische und soziale Faktoren sowie externe, organisationale, ökonomische (Degenkolb-Weyers, 2016, S. 9).

Resilienzmodell nach Siegrist/Luitjens 2013

 

Abbildung 3: Resilienzmodell nach Siegrist/Luitjens 2013 (Degenkolb-Weyers, 2016, S. 8), grafisch neu aufbereitet

Abschließend kann zusammengefasst werden: Es gibt kein universelles, einheitliches Resilienzmodell. Resilienz muss vielmehr im Zusammenhang mit dem Lebensbereich bzw. der spezifische Arbeitswelt und der Situation einer Person bzw. von Personengruppen betrachtet, definiert und untersucht werden (Degenkolb-Weyers, 2016, S. 7). Im Resilienzmodell von Soucek wird Achtsamkeit als personale Ressource berücksichtigt (Abbildung 2). Über die Einführung der Größe „resilientes Verhalten“ in seinem Resilienzkonzept schafft es Soucek, einen Fragebogen zu entwickeln und Resilienz meßbar zu machen (Soucek, R., Pauls, N., Ziegler, M., & Schlett, C., 2015).

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